Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten


Foto: LBO Trompetenensemble. Von links nach rechts: Viktor Aichholz, Tobias Lehmann, Christian



Unter diesem Motto hat unsere Diözese einen Erneuerungsweg eingeleitet, den wir als Kirchengemeinde in den kommenden zwei Jahren konkret mitgehen wollen.

Hintergrund sind die vielfachen Veränderungen, die wir in Kirchen und Gesellschaft beobachten: Wir werden weniger. Gewohnte Abläufe im religiösen Leben nehmen ab oder ändern sich. Haltgebende Strukturen zerbrechen. Erwartungshaltungen und Fragen an Glaube und Kirche wandeln sich. So müssen wir uns als Gemeinde fragen:

- Wie können wir unseren Glauben zeitgemäß weitergeben? Wie halten wir die Frage nach Gott in unserer Gesellschaft wach? Wie können wir von der Botschaft Jesu, die ja allen Menschen gilt, glaubwürdig sprechen?

- Wie können wir die Botschaft Jesu glaubwürdig leben? Welchen sozialen Beitrag können und müssen wir als Christen in unserer Gesellschaft leisten? Wo ist unser Engagement gefragt?

- Wie können wir unsere Gottesdienste so feiern, dass Gottes Nähe erfahrbar wird? Wie können Menschen heute erkennen, dass durch unsere Sakramente - Taufe, Eucharistie, Buße, Firmung, Krankensalbung, Ehe, Weihe – Gottes Heil sichtbar wird?

- Wo müssen wir uns als Gemeinde ändern? Was gilt es, neu auszuprobieren und anzubieten – und was muss man vielleicht auch lassen?

Um solche Fragen beantworten zu können, müssen wir die Lebenswirklichkeit der Menschen in unserer Gemeinde wahrnehmen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Wir müssen unsere eigenen Haltungen und Vorstellungen in den Blick nehmen und kritisch überprüfen.

Unser Bischof Gebhard Fürst schreibt über diesen Prozess: „Ich verspreche mir von diesem Entwicklungsweg eine Erneuerung unserer Diözese, die unsere Kirche an vielen Orten für viele bewohnbar sein und werden lässt. Meine Vision ist eine bewohnbare Kirche, die den Suchenden Heimat gibt; eine Kirche, in deren Gemeinschaft die Sinn-Suchenden Sinn finden, ohne dass sie zur Nische wird. Eine Kirche die sich insbesondere der Armen und Bedrängten aller Art annimmt, eine diakonisch-sozial-karitative Kirche, die zeichenhaft handelt. Wo sich dies ereignet, handelt die Kirche zutiefst missionarisch. Bei allem leitet uns aber nicht allein die Kirche, sondern der Mensch. Gott und den Menschen nahe zu sein, ist unsere vornehmste Aufgabe.“

Liebe Gemeinde, wir sind eingeladen, diesen Entwicklungsweg in den nächsten beiden Jahren zu gehen. Ich bitte Sie, je nach Ihren Möglichkeiten, ihn mitzugehen! Der Kirchengemeinderat hat dazu schon einige Überlegungen angestellt, wie sie folgenden lesen können. Gottes Geist und Segen sei mit uns auf diesem Weg! Dekan Markus Ziegler 

 

„Kirche am Ort“ bei uns

Am 26. November vergangenen Jahres haben sich die Damen und Herren des Kirchengemeinderates zusammen mit einigen Mitarbeitern aus dem Pfarrteam getroffen, um diesen Weg zu betrachten. Unterstützt wurden wir dabei von Frau Nicole Uhde, die für die Begleitung der Gemeinden im unserem Dekanat beauftragt wurde.

Zunächst erläuterte sie dem Gremium das Projekt selbst, die Ideen und die Hintergründe dazu. Dabei fand Frau Uhde eine Zuhörerschaft mit eine gewissen Portion Skepsis vor. Den auf den ersten Blick kann hier leicht der Eindruck entstehen, „... jetzt sollen wir das auch noch machen! Und am Ende steht dann wieder eine Gemeinde-Visitation mit viel Papierkram und wenig Veränderungen…“ So, oder so ähnlich wirken all die vielen Arbeitshilfen und Materialien, die hierfür vom Bischöflichen Ordinariat erarbeitet und bereitgestellt werden. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass dieses Projekt nicht völlig neu ist, sondern dass damit der Blick auf die Kirchengemeinde erneut geschärft werden soll. (Was läuft gut? Was sollten wir überdenken? Was könnten wir neu anstoßen? ) Und es wurde weiterhin deutlich: es geht nicht um „wir brauchen noch mehr Angebote“ und „noch mehr Belastung für Haupt- und Ehrenamtliche“ geht.

Die Umsetzung, also die konkreten Schritte dieser „Konsolidierung“ soll in drei Schritten erfolgen: zunächst soll in Phase 1 der Blick auf unsere Gemeinde geschärft werden. Es geht dabei um Rückmeldungen – auch von außerhalb – einzuholen, die Menschen und Situationen in unserer Gemeinde in den Blick zu nehmen und ein „anziehendes Zukunftsbild“ von unserer Gemeinde zu entwerfen. Hierfür wurde mit der Bildung eines Prozessteams begonnen. Dessen Aufgabe ist es nun, im nächsten halben Jahr die notwendigen Schritte zu planen.

In der zweiten Phase geht es dann darum, konkret Wege auszuprobieren und im Dialog umzusetzen. Die zentrale Frage dabei wird lauten: Wo setzen wir in Zukunft Schwerpunkte und wo nicht (mehr)? Um dann in der dritten Phase letztlich die notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Dem Kirchengemeinderat ist es dabei sehr wichtig, dass der diözesane Entwicklungsweg nur gelingen kann, wenn er zum Weg der Menschen wird, die ihn gestalten wollen. Deshalb wollen in der zweiten Jahreshälfte zu einer Gemeindeversammlung einladen. Voraussichtlich wird der Taborchor für uns kochen und anschließend werden wir uns ausreichend Zeit nehmen, um alle Informationen zu „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ – in unserer Gemeinde auszutauschen.

Wir freuen uns darauf, uns gemeinsam mit Ihnen auf den Weg zu machen. Damit der Weg ein möglichst breiter werden kann, brauchen wir Ihre Mithilfe und Impulse!

Michael Vieth, Zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderates