Kirche St. Josef


 

Aus der Geschichte der St. Josefs-Kirche Zwieselberg

Die nicht unbeträchtlichen Waldbesitzungen des "Benediktiner Klösterleins" in Rippoldsau machten es notwendig, dass unter Begünstigung der Ordensgeistlichen im Jahre 1696 einige katholische Holzhauerfamilien aus Tirol sich angesiedelt haben. Diese ersten Siedler ahnten nicht, welche Probleme sie der württembergischen Verwaltung noch bereiten würden, weil sie um 1696 ihre Hütten ein paar Meter jenseits de badischen Grenze, auf württembergischem Hoheitsgebiet errichtet hatten. Dieses Gebiet war nämlich in Besitz des Klosters im badischen Rippoldsau.

Im 18. Jhdt. wurden die beiden Weiler Ober- und Unterzwieselberg der Gemeinde Reinerzau (Kloster Alpirsbach) zugeteilt. Kirchlich und schulisch wurden sie weiter von Rippoldsau betreut und geduldet, bis 1859 in Freudenstadt ein katholisches Stadtpfarramt und 1863 eine katholische Konfessionsschule eingerichtet wurden. Für diese Kirche und Schule im Oberamt Freudenstadt gaben die Zwieselberger den Ausschlag.

Die Zwieselberger hatten bis Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch noch ganz andere Schwierigkeiten, nachdem sie endgültig vom Kloster Rippoldsau gelöst und ihr Wald und ihre Äcker württembergisch geworden waren. Sie standen als einzige württembergische Gemeinde weit und breit unter dem Patronat der württembergischen Klosterpfarrei, nämlich Heiligenbronn bei Salzstetten. Katholiken waren im protestantischen Oberamt Freudenstadt vor allem Tiroler Facharbeiter des neuen Sensen- und Stahlhandwerks um 1804 im heutigen Friedrichstal. Den Arbeitern und ihren Familien wurde von Kurfürst Friedrich gestattet, "unter Leitung und Beistand eines katholisch-württembergischen Geistlichen und in einem verschlossenen Zimmer eines kurfürstlichen Gebäudes die Privatandacht zu pflegen".

In den Glashütten in Schönmünzach und Buhlbach arbeiteten zudem etwa einhundert katholische Arbeiter, die zum Gottesdienst ins (badische) "Ausland" nach Forbach und Oppenau mussten. Für den Oberamtsbezirk Freudenstadt wurde daher die Wallfahrtskirche in Heiligenbronn Mittelpunktskirche für ein Gebiet, in dem man 1839 nur 275 Katholiken zählte, davon 75 Katholiken in einem geschlossenen Ort, in Zwieselberg.

Die Situation blieb jedoch sehr unbefriedigend, zumal 75 Katholiken ins badische Rippoldsau zur Schule und Gottesdienst mussten, Diese Zwieselberger wehrten sich gegen die Pläne, die Zentralkirche des Oberamtes Freudenstadt in Klosterreichenbach anzusiedeln, bzw. In Heiligenbronn zu belassen so stark, dass sie im Jahre 1859 den Ausschlag dafür gaben, die kommende Zentralkirche für den Bereich des Oberamtes Freudenstadt in Freudenstadt zu errichten. Die Zwieselberger stellten damals im Kirchenstiftungsrat zwei Räte, die Brüder Bendikt und Josef Schmid. Seit dieser Zeit sind die Verbindungen zur katholischen Gemeinde in Freudenstadt sehr herzlich.

Am 18. Januar 1859 genehmigte König Wilhelm von Württemberg "die Einrichtung einer katholischen Pfarrei in Freudenstadt für die Katholiken daselbst und in der Umgebung allergnädigst". Am 11. Oktober 1859 wurde die im romanischen Basilikastil gebaute St. Peter- und Paul-Kirche eingeweiht. Ein größeres Gotteshaus wurde nach Abriss der alten St- Peter- und Paul-Kirche errichtet, die Christi Verklärung-Kirche, im Volksmund die Taborkirche genannt. Sie wurde am 16.8.1931 eingeweiht.

Auch wenn die Zwieselberger ab 1859 nicht mehr den beschwerlichen Weg ins badische Rippoldsau laufen mussten, sondern nach Freudenstadt zum Gottesdienst laufen durften, setzten sie sich für den Bau einer eigenen Kirche ein.

Weihnachten 1934 stand folgender Bericht in der damaligen Schwarzwaldzeitung:

"Eine große Weihnachtsfreude ist den Katholiken vom Zwieselberg und unserer ganzen Diasporagemeinde zuteil geworden. Von den Eheleuten Albert Armbruster und Helene, geb. Schmid, wurde unter Mitwirkung des greisen Anwalts Otto Schmid ein idealer Bauplatz für eine Kapelle gestiftet. Den Zwieselbergern, die den ältesten Teil unserer Gemeinde darstellen, und die 75 Jahre lang stets treu und gewissenhaft den weiten und beschwerlichen Weg zur Kirche nach Freudenstadt gemacht haben, ist es wohl zu gönnen, dass sie nunmehr in ihrer wunderschönen Waldheimat eine heilige Stätte bekommen".

Nach mühevollen Jahren der Eigenleistung vieler Zwieselberger konnte am Vorabend von Fronleichnam, am 26. Mai 1937 Richtfest der St. Josefs-Kirche auf dem Zwieselberg gefeiert werden. Am 20. Dezember 1937 wurde der Einweihungsgottesdienst mit Dekan King und Pfarrer i.R. Finkbeiner, Bittelbronn (geb. aus Freudenstadt), unter Mitwirkung von zehn Nachbargeistlichen gefeiert. Die eigentliche Weihe mit dem Bischof fand später statt.

Verfasser: unbekannt