Franziskuskirche

Sankt Franziskus Kirche Dornstetten

Geschichte

Das kirchliche Leben Dornstettens begann gleichzeitig mit der Ent­stehung der Ortschaft im frühen Mittelalter.

Seit der Merowingerzeit war die Martinskirche (damals eine kleine Holzkirche) als Urkirche für die „Dornstetter Mark“ geistliches Zentrum. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden weitere Zeugnisse religiösen Lebens, wie z.B. andere Ki­rchen und Kapellen, die allerdings teilweise bereits vor der Reforma­tion auch wieder verschwanden. Die Nonnenklöster der Dominikaner- und Franziskanerinnen, hervorgegangen aus einem Beginenhaus, hielten sich dagegen bis zur Reformation, die in Württemberg und somit auch in Dornstetten 1534 erfolgte.

Damit erlosch für fast 400 Jahre das katholische kirchliche Leben in der württembergischen Amtsstadt.

Mitte des 19. Jahrhunderts entstand eine katholische Gemeinde in Freudenstadt und ein nicht unwesentlicher Teil, dieser räumlich sehr großen Gesamtgemeinde wurde Dornstetten. Ein bemerkbares Anwachsen des katholischen Bevölkerungsanteils in der Stadt erfolgte aber erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Manche Katholiken kamen durch Heiraten nach Dornstetten, insbesondere aus den nahe gelegenen katholischen Orten wie Lützenhadt, Bittelbronn oder Horb, aber auch dem katholischen Baden. Eine zweite Gruppe bildeten diejenigen, die auf Grund ihres Berufes hierher kamen, insbesondere Beamte und Angestellte bei Bahn, Post, Polizei und Schuldienst, aber auch freiberuflich Tätige.

Die seelsorgerliche Betreuung erwies sich als schwierig und so ist in der Freudenstädter Pfarrchronik von 1941 zu lesen: „Um auch den Katholiken von Dornstetten und Umgebung (Aach, Glatten, Hallwangen), die es infolge schlechter Zugverbindungen sehr schwer hatten, den sonntäglichen Gottesdienst in Freudenstadt zu besuchen, entgegenzukommen, wurde am 16. November (Solemn. Externa St. Martin) im Gemeindesaal der städtischen Turnhalle in Dornstetten zum ersten Mal nach der Reformation katholischer Gottesdienst abgehalten mit dem Erfolg, daß fast 100 Personen (darunter auch Mädchen vom dortigen RAD-Lager sowie Kinder von den KLV-Lagern in Hallwangen) daran teilnahmen. Da die Stadtverwaltung den genannten Raum ohne weiteres zur Verfügung stelle, wurde daselbst auch im Dezember (Advent) an einem Sonntag wieder Gottesdienst gefeiert.“

Auf Grund der Bevölkerungsverschiebungen nach dem Zweiten Weltkrieg kamen als weitere Gruppe zahlreiche Heimatvertrieben und Flüchtlinge katholischen Bekenntnisses nach Dornstetten. Durch die starke Zunahme der Katholiken reichten die Möglichkeiten in Lokalen, wie dem Gasthaus Ochsen oder in der alten Turnhalle oder im damaligen Progymnasium bald nicht mehr für Gottesdienstfeiern aus. Auch die Gastfreundschaft in der evangelischen Martinskirche, die freundlicherweise von der evangelischen Gemeinde und Pfarrer Erich Pfenning gewährt wurde, stellte auf Dauer keine Lösung dar. So drängten die Dornstetter Katholiken verstärkt auf den Bau einer eigenen Kirche. Pfarrer Jung von Freudenstadt erhielt tatkräftige Unterstützung vor allem durch den Bauunternehmer Matthias Mattes, Oberstudienrat Otto Feinäugle und Johann Zepezauer als Vertreter der Heimatvertriebenen. Für Matthias Mattes war der Kirchenbau auch eine Gedenkstätte für seine drei in Russland gefallenen Söhne. Der Bau wurde aber auch von der ganzen Gemeinde mitgetragen und unterstützt.

 

Baugeschichte

Gestartet wurde das Unternehmen am 11. November 1951 mit einer Eingabe an das Bürgermeisteramt verbunden mit der Bitte um einen Bauplatz. Nach schwieriger und langwieriger Platzsuche erfolgte in der ersten Jahreshälfte 1952 der Erwerb des Grundstückes „Im Höfle“ in Absprache mit dem damaligen evangelischen Stadtpfarrer Pfenning. Bereits am 18. März 1953 erfolgte durch das bischöfliche Bauamt die Genehmigung des Baugesuches, nach Plänen des Architekten Basten aus Tübingen-Lustnau.

Am 7. April des gleichen Jahres begannen die Bauarbeiten durch die Firma Mattes. Bereits fünf Wochen später, am 10. Mai, konnte Kapiteldekan Kurt Wagner/Weitingen den Grundstein legen und schon am 23. Juli wurde bei strömenden regen das Richtfest gefeiert. Am Tag des Hl. Franziskus, dem 4. Oktober 1953 wurde die St. Franziskuskirche mit einer zweitägigen Feier durch Weihbischof Sedlmeier festlich geweiht. Dazu nochmals ein Auszug aus der Pfarrchronik von 1953: „4. Oktober. Das zweifellos größte Ereignis des Jahres in der Pfarrgemeinde war der Bau und die Einweihung der St. Franziskuskirche in Dornstetten. [….] Der 4.Oktober war fast ein zu früher Termin für die Weihe. Mit allem Druck wurden die Außen- vor allem Dachdecker- und Flaschnerarbeiten und die noch viel größeren Innenarbeiten gemacht. Der Plattenleger Schad von Kolbingen arbeitete bei Tag und Nacht. Alles wurde gerade fertig. Die Frauen von Dornstetten kränzten mit Eifer und schmückten die Kirche. Am Vorabend ½ 6 h kam Exzellenz. Nach Willkommen und Begrüßung, es hatte sich viel Volk versammelt, begann der erste Teil der Konsekration. Anschließend hielt Exzellenz Weihbischof Sedlmeier seine Predigt „Sei gegrüßt du schönes St. Franziskus von Dornstetten!“ und behandelte das Mariengebet des hl. Franz. Die Rottweiler Münstersängerknaben waren gekommen, um den Gesang bei der Konsekration und Amt zu übernehmen. Am Morgen des 4. Oktobers war alles da. Bischof und Gemeinde, Sängerknaben und Musik von Renquishausen. Mit Böllerschüssen begann die Fortsetzung der Weihe. […] Das erste feierliche Amt hielt Stpfr. Jung unter Assistenz des Horber Stpfr. Link und des Leinstetter Nachbarn Pfr. Schmid und der beiden früheren Vikare Wieland und Hecht, welche Zeremoniendienste taten. Die Münstersängerknaben taten ihr Bestes in der Hassler-Messe u. die Musik aus Renquishausen spielte festlich „Großer Gott!“ Für Dornstetten ein begreifliches Fest“. Weiter lesen wir: „Am rassigsten sprach (bei der Einweihung) unbedingt Herr Mattes, der in markigen Worten das Schicksal der Katholiken von Dornstetten und das Schicksal des Kirchenbaues vor, während und in der Vollendung schilderte. Ihm, seiner Initiative und seinen großzügigen Spenden kommt nach dem Ordinariat der größte Dank zu.“ Das Fest klang in der Bahnhofswirtschaft aus, wohin Herr Mattes eingeladen hatte.

Im Laufe der Zeit fielen einige Renovierungsarbeiten und Umbauten des Innenraumes an. Diese waren hauptsächlich liturgisch bestimmt. So wurde nach dem 2. vatikanischen Konzil der bis dahin an der Chorwand befindliche Hochaltar zusammen mit den Kommunionbänken und der Kanzel entfernt und durch einen einfachen Holzaltar in der Mitte des geringfügig tiefer gelegten Chorraumes, und einem Ambo ersetzt. Nach einigen Renovierungsarbeiten in den achtziger Jahren (Heizung, Innenverputz, Verglasung) erfolgte in den Jahren 1998/99 grundlegende Umbauten unter Pfarrer Joachim Guntram. Zunächst ging mit dem Bau eines Gemeindehauses ein bereits von den Erbauern der Kirche gehegter Wunsch in Erfüllung. Das Gemeindezentrum beherbergt neben einem Gemeindesaal auch einen Kindergarten, Jugendräume und eine Hausmeisterwohnung.

Nach Fertigstellung des Gemeindezentrums im Oktober 1998 wurde die Renovierung der Kirche in Angriff genommen. Diese Gelegenheit wurde zu einer völligen Neugestaltung des Innenraumes der Kirche genutzt.

 

Außenbeschreibung

Der Bau wurde aus Naturkalkstein, der aus dem Untertalheimer Steinbruch stammt, errichtet. Der Baukörper erstreckt sich parallel zum Bahndamm, wobei nur der neben dem Chor befindliche Turm aus der Front hervorspringt. Durch die leichte Hanglage erscheint der Bau betrachtet von der Straße, der Schauseite, erhöht. Der Kirchenvorplatz, der heute Gemeindezentrum und Kirche verbindet, wurde 1998/99 angelegt.

Im Erdgeschoß des Turmes befindet sich die Sakristei. Darüber gibt es einen weiteren kleinen Raum, der früher als Gruppenraum genutzt wurde und heute als Ministrantensakristei dient.

Das Geläut der Franziskuskirche besteht aus drei Glocken, deren Klang auf das Geläut der evangelischen Stadtkirche abgestimmt ist. Die ersten beiden Glocken wurden bereits im November 1953 geweiht, vervollständigt wurde das Geläut dann fünf Jahre später mit der Anschaffung einer dritten Glocke.

 

Inneneinrichtung

Kirchenschiff

Unterhalb der Empore betritt man den Kirchenraum. Im Eingangsbereich befinden sich Beichtstuhl sowie das erste Taufbecken, das heute als Weihwasserbecken dient. Durch denn in franziskansicher Bautradition stehenden offenen Dachstuhl erhebt sich der Innenraum zu einer lichten Höhe von 9,95m. Die Ausschmückung des Innenraumes ist auf das Wesentliche reduziert. An den Seiten des Kirchenschiffs sind nur die Weihekreuze, Apostelleuchter und Kreuzwegstationen angebracht. Die vierzehn Kreuzwegstationen, beginnend am Zugang zur Sakristei, sind als kleine Tontafeln gestaltet. Leider ist nicht mehr feststellbar aus wessen Hand sie stammen.

Vorne links steht seit 1999 das neue Taufbecken. Es wurde von dem Künstler Wendelin Matt (Trossingen) geschaffen und besteht aus Muschelkalk. Seine klaren, einfachen Linien und Formen passen sich sehr gut in den schlichten Raum ein.

Auf der anderen Seite steht auf einem kleinen Podest ein besonderes Schmuckstück der Kirche: eine Madonnenstatue. Sie stammt wahrscheinlich aus den Jahren 1630 – 1640, ist also der Renaissance oder dem Frühbarock zuzuordnen. Der Bildhauer Georg Gebhart, der sie restaurierte, meinte in einem Gutachten, dass sie aus dem Kreis der Gebrüder Zürn, den Wegbereitern des Oberschwäbischen Barocks, stammen könnte. Vom Kirchenmaler Josef Schugg aus Isny stammt die heutige schöne farbliche Fassung. Die Statue zeigt Maria als gekrönte Himmelskönigin. Im Vordergrund steht aber die Darstellung als die Hohe Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb. 12,1-6) mit dem Mond und der Schlange zu ihren Füssen. Diese Madonna ist ein Geschenk von Franz Büchele aus Isny, der aus seinen Privatbesitz diese wertvolle Figur einer Diasporakirche zukommen lassen wollte. Franz Büchele erbat sich damals als Gegenleistung einfach nur ein „Vater unser“.

Künstlerisch besonders beachtenswert sind auch die Glasfenster an der Westseite. Sie sind ein Werk von Professor Wilhelm Geyer aus Ulm, einem der bekanntesten Erneuerer religiöser Kunst nach dem 2. Weltkrieg. Geyer hat bei der Gestaltung der Fenster Themen aus dem Sonnengesang des heiligen Franziskus aufgegriffen. Das erste Fenster, (beginnend in der Nähe des Zuganges zur Sakristei) zeigt Franziskus wie er Christus, dem aller Lobpreis der Schöpfung gilt, anbetet. Im zweiten Fenster rühmen Bruder Wind und Bruder Feuer Christus. Das Mittelfenster zeigt Christus als Pantokrator, als Weltenherrscher und -richter am Ende der Zeiten umgeben von den Evangelistensymbolen. Im vierten Fenster ist eine Gestalt mit einem Ährengarbe und eine, die einen Krug Wasser ausgießt, dargestellt. Es sind die Personifikationen von Mutter Erde und Schwester Wasser aus dem Sonnengesang. Im letzten Fenster kniet Franziskus vor „unserem Bruder, den leiblichen Tod“, für den und mit dem er Christus lobt.

  

Chorraum

Der Chorraum in seiner heutigen Ausgestaltung ist bei der Kirchenrenovierung unter Pfarrer Joachim Guntram 1998/99 angelegt worden. Der Chorraum wurde nochmals tiefer gelegt, um den Altar näher an die Gemeinde rücken zu können.

Altar und Ambo wurden 1999 wie das Taufbecken von Wendelin Matt angefertigt. Die Einheit des Materials und der Formgebung verdeutlichen anschaulich die Einheit von Wortverkündigung und Feier des eucharistischen Mahles.

Der Tabernakel stammt noch von dem ersten Hochaltar. An den Kirchenpatron erinnert der an dem Tabernakel sichtbaren griechische Buchstaben Tau (t). Franziskus verwendete diesen Buchstaben oft und gerne als kurzes Segenssymbol. In Anlehnung an Ez. 9,6 und Offb. 7,3 wird das Tau als Zeichen der Erwählung durch Gott und seinen Schutz beschrieben. Für Franziskus erinnert es zugleich an das Kreuz, dem Zeichen der Erlösung. Ergänzt wird das Tau auf dem Tabernakel noch durch die Inschrift „Pax et Bonum“ (Friede und die Güte), einem Leitgedanken des Franziskus, mit dem er alle Menschen grüßte. Wendelin Matt hat im Zuge der Neugestaltung den Tabernakel mit einem farblichen Strahlenkranz umgeben und damit Motiv des Sonnengesanges aufgegriffen und sehr schön integriert.

Das große Holzkreuz an der Altarwand ist eine Stiftung von Matthias Mattes und wurde von dem Bildhauer Georg Gebhart aus Isny geschaffen. Es hatte ursprünglich eine Höhe von 3,60 m und war direkt auf dem Hochaltar aufgesetzt. Die Figur des Gekreuzigten ist 1,90 m groß. Stadtpfarrer Jung schreibt in einem Brief über das Kreuz: „Die Auffassung den leidenden Christus darzustellen, ist Gebhart gut gelungen, vor allem ist sehr ausdrucksvoll, daß der Kruzifixus ein sprechender, ein Rufender ist in dieser Zeit, an den gegenwärtigen Menschen, an den frommen Betrachter und Beter.“ Die heutige farbliche Gestaltung des Kreuzes passt sich gut dem Gesamtbild des Raumes an.

 

Würdigung

St. Franziskus in Dornstetten, eine vielleicht auf den ersten Blick unscheinbare kleine Kirche, gelegen an einem Bahndamm wurde mit viel Engagement und Liebe vor gut einem halben Jahrhundert errichtet. Sie legt Zeugnis ab für den Glauben, das Hoffen und Beten der damaligen Menschen. Sie hinterließen den nachfolgenden Generationen ein in seiner Einfachheit beeindruckendes Gebäude, das mit Leben zu erfüllen immer wieder aufs Neue eine Herausforderung an die heutige Gemeinde ist. Trotz, oder gerade wegen ihrer Schlichtheit und klaren Harmonie ist diese Kirche schon vielen Frauen und Männern Heimat geworden. Aber nicht nur für zahlreiche Gläubige ist St. Franziskus ein würdiger Ort zur Begegnung mit Gott, auch dem Kunstinteressierten bietet St. Franziskus so manche Überraschung.

 

 

 

Herausgegeben vom Katholischen Pfarramt Freudenstadt

Mit freundlicher Unterstützung von Brigitha und Georg Seyler

Text: Rüdiger Seyler

Fotos: Archiv der Taborgemeinde und H.Hofmeister

Dornstetten im Jahr 2004