Taborkirche (beim Anklicken bitte 30 Sec. warten)

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Geschichtliches

Die Geschichte der Taborkirche ist verbunden mit der Geschichte der ersten katholischen Kirche in Freudenstadt:

1857 wurde das Kirchlein St. Peter und Paul nahe am Gottesacker der Stadt errichtet. Eugen King, seit August 1926 Stadtpfarrer in Freudenstadt plante ein großartiges, damals schlechthin zukunftweisendes Gebäude. Im August 1928 erhielt Architekt Otto Linder aus Stuttgart den Auftrag für den Neubau. Die große wirtschaftliche Not dieser Zeit zwang dazu, die Pläne zu ändern.

Klare, einfache Formen wurden gewählt. „…Der Turm wird so gelegt, dass er sowohl von der Alfred- und Straßburgerstrasse, als auch vom Promenadenplatz und Kurtheater aus gut sichtbar ist. Akzent dieses Bauteils dürfte das etwa 40 Meter hohe, wuchtige Eisenbeton-Kreuz bilden, das auf dieses städtebaulich hochgelegene Teil von Freudenstadt aus weiter Ferne sichtbar ist und ein weiteres Wahrzeichen unserer Stadt abgeben dürfte...“

So schrieb King im August 1930 im Fremdenblatt über die werdende katholische Stadtpfarrkirche in Freudenstadt.

Otto Linder selbst meinte zu dieser Kirche: “Die Zeit eines geistlosen und planlosen Kopierens alter Stilarten ist Gott sei Dank vorbei. Ein selbstständiges Wollen und Fühlen hat dies endgültig abgelöst. Das heutige religiöse Empfinden ist viel innerlicher, tiefer und schlichter, mit elementarer Gewalt drückt sich auch das moderne religiöse Empfinden in den Architekturformen des Sakralbaues aus. Eine echte Ewigkeitskunst muss stets die Sprache ihrer Zeit reden. Es kann niemand sagen, dass wir alles Alte über Bord werfen und alles Neue nur beloben, weil es modern ist; nein, wir verehren und bewundern die alte Kunst stärken und freuen uns aber an dem Neuen“.

Am 16. August 1931 wurde die Kirche feierlich durch Bischof Dr. Sproll geweiht : „…Wir haben nun das Haus geweiht und es ist als Taborkirche unter den Schutz des verklärten Herrn gestellt…“.

 

Architektur

Die Bauweise erinnert an eine dreischiffige Basilika. Die Inneneinrichtung wurde schlicht und einfach gehalten. So, wie er sich heute darstellt sah der Innenraum der Taborkirche nicht immer aus:

Die erste wesentliche Änderung erfuhr er im Zuge von dringend notwendigen Renovierungsarbeiten im Jahr 1971/72 unter der Leitung des Architekten Hans Schlichte, Friedrichshafen:

Die Kassettendecke wurde durch eine zeltähnliche Deckenfläche abgelöst. Der Innenraum erfuhr eine Vergrößerung, indem auf der linken Seite die ehemalige Freitreppe mit in den Kirchenraum einbezogen und auf der rechten Seite die Querwände durchbrochen wurden.

 

Symbolik in der Architektur

Die fünf Wunden Jesu werden in der Taborkirche vielfach symbolisiert: Fünf Bögen tragen die Empore im Westen, fünf Bögen öffnen Fenster nach Norden, fünf Bögen tragen den südlichen Vorbau, fünf Seitenkapellen gliedern die Südwand, fünf Dachebenen überspannen den Bau außen, fünfgliedrige Fenster erhellen die Sakristeiräume, und fünf Stufen führen zum Altarraum hinauf. Auch das Zusammenkommen von Göttlichem und Menschlichem in Christus spiegelt sich in der Architektur, beispielsweise in doppelten Abschlusslinien unter dem Dach und zweigliedrigen Fenstern.

Noch häufiger aber erscheint die göttliche Dreifaltigkeit, in den dreigliedrigen Fenstern etwa und vor allem im Altarraum gleich mehrfach an beiden Seiten. Gekrönt wird der Kirchenraum von einem Bogen, der für die Einheit und Einzigartigkeit Gottes und des Glaubens steht.

 

Grundriss

Rundgang durch die Kirche

Betritt man die Taborkirche, wird der Blick gleich auf das große Fresko von der Verklärung Christi im Altarraum gelenkt. Es ist ein Werk der Künstlerin Maria Hiller-Foell aus Stuttgart. Als Vorlage diente ihr eine Darstellung der Ikonenmalerei. Die Meinungen über die ausdrucksstarke Darstellung waren und sind geteilt.

Der Kunstkritiker Heinrich Getzeny schrieb 1932: „Monumentalität, Strenge und Vergeistigung vereinigen sich in diesem Bild wie in nur wenigen Werken der jüngsten religiösen Malerei.“ Diese drei Eigenschaften prägen die Taborkirche insgesamt. Hinzu kommen bei Bild und Bauwerk als wesentliche Elemente eine Wärme und liebevolle Strahlkraft, die sich kaum beim ersten Eindruck erschließt.

Die Tabernakelstelle aus Holz hat Franz Bucher aus Rottweil geschaffen. Von ihm stammt auch das Tabernakelgehäuse aus Silberblech mit einer abstrakten Darstellung des himmlischen Jerusalem.

Der Ambo ist schlicht, der ebenfalls einfach gehaltene Altar seit langer Zeit ein Provisorium, aber leicht zu transportieren.

Die Kreuzigungsgruppe rechts neben dem Altarraum besteht aus der gotischen Jesus-Darstellung und zwei kopierten Figuren, Maria und Johannes.

Mit der Pieta, einer ausdrucksstarken Plastik auf dem 15. Jahrhundert, besitzt die Taborkirche ein großes Kunstwerk mit einer langen Geschichte. Sie stammt aus dem ehemaligen Prämonstratenserinnenkloster in Meer bei Neuß. Sie wurde aus Privatbesitz der Taborgemeinde geschenkt zum Andenken an Pfarrer Eugen Keppler (1888-1897 Pfarrer in Freudenstadt) und seinen Bruder Paul Wilhelm von Keppler, Bischof von Rottenburg in den Jahren 1899-1926.

Die barocke Madonna im rechten Seitenschiff ist ein Geschenk aus Familienbesitz während der Amtszeit von Pfarrer Joachim Guntram. Ursprünglich soll sie aus der Bildechinger Kirche stammen.

Eine Verbindung zur alten Peter- und Paul- Kirche ist der davor stehende Taufstein. Als einziges Teil, das noch aus der Vorgängerkirche stammt, wurde er bereits 1971/72 bei der ersten Renovierung wieder aus der Kirche entfernt. Pfarrer Guntram erlöste ihn aus seinem Dornröschenschlaf im Pfarrgarten.

Vor dem Altarraum befindet sich auf der linken Seite ein weiterer Andachtsraum in der Seitenkapelle. Hier werden Gottesdienste mit kleinen Gruppen gefeiert, auch Taufen und Feiern zur goldenen Hochzeit werden hier abgehalten.

Dort befindet sich eine Kopie eines Tryptichons, von Dieric Bouts von 1470, der „Pearl of Brabant.“, das leider inzwischen stark restaurierungsbedürftig ist. Das Original ist in der Alten Pinakothek in München zu sehen. In der Mitte des Altarbilds ist die Anbetung Christi dargestellt, links sieht man Johannes den Täufer, rechts ein Bild des Heiligen Christopherus.

Im linken Seitenschiff befindet sich eine Marienstatue, die während dem Krieg zwischen 1942 und 1944 den Weg in die Taborkirche fand. Wie bei der Vorgängerstatue, die zur Kircheneinweihung von der Diözese Rottenburg gestiftet wurde, können hier Gläubige Kerzen anzünden und die Mutter Gottes um Fürbitte anrufen. Das Alter und die Herkunft der Statue sind unbekannt.

An der Rückwand der Empore sieht man eine Renaissance-Madonna, vermutlich aus dem 16. Jahrhundert, die der frühere Pfarrer Guntram anbringen ließ. Der Sockel ist in den Farben der Orgel gehalten.

Die Orgel wurde 1994 von der Firma Rieger (Vorarlberg) gebaut. Die österreichische Orgelbaufirma ist eine der führenden Orgelbauwerkstätten, international bekannt durch klanglich und handwerklich hervorragende Instrumente.

Das Freudenstädter Instrument ist eng orientiert am symphonischen Ideal eines A. Cavaillé-Coll, dem herausragenden Orgelbauer Frankreichs des 19. Jahrhunderts, für dessen Instrumente C. Franck, Ch.-M. Widor und L. Vierne ihre Orgelwerke geschrieben haben. Der edle Klangcharakter ermöglicht aber nicht nur die optimale Darstellung der französischen Orgelsymphonik, sondern eröffnet auch die musikalische Umsetzung eines umfänglichen Orgelrepertoires der verschiedensten Epochen. Nicht nur für die konzertante Orgelmusik, sondern gerade auch für das liturgische Orgelspiel bietet diese Orgel eine Fülle von Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten. Sie verfügt über 42 Register auf drei Manualen und Pedal. Das 43. Register (Soubasse 32’) ist vorbereitet, aber noch nicht vollständig, es fehlen die 12 tiefsten Pfeifen.

Vor allem in den Sommermonaten sind regelmäßig große Konzerte auf dieser „Königin der Instrumente“.

Unter der Orgelempore findet man ein farbenprächtiges Glasbild. Es wurde 1931 ebenfalls von Maria Hiller-Foell (1931) hergestellt. Es zeigt Auszüge aus den beiden Psalmen 84 und 98 und in der Mitte König David, der auf seiner Zither spielt.

In den großen Rundbogenfenstern werden in einfachen Buchstaben die Seligpreisungen aus der Bergpredigt genannt. Man kann sie abschreiten wie die Stationen eines Kreuzwegs. Mit dem gleichmäßigen Wechsel von gelb-braunen Erdentönen und grün-blauen Himmelsfarben lassen sie in diesem Raum Himmel und Erde spürbar zusammen kommen. Es wurde nochmals das Thema des Altarbildes aufgenommen: das Zusammenkommen von Göttlichem und Menschlichem in Christus.

 

Die Glocken im Turm

Die erste Glockenweihe war am 2.September 1934. Leider wurden diese vier stattlichen Glocken schon acht Jahre später, am Schmerzensfreitag 1942 wieder abgebaut und verhüttet. Erst 25 Jahre später konnten vier neue Glocken pünktlich zur 100 Jahr Feier der Gemeinde geweiht werden.

“Was das große Bild über dem Hochaltar eurer Taborkirche predigt, das läuten die Glocken ins Land hinaus. Sie tragen die gleichen Namen wie die Personen bei der Verklärung. Sie heißen Petrus, Jakobus, Johannes und die größte Christusglocke“, so Weihbischof Sedlmeier bei der Glockenweihe.

 

Außenansicht

Außen an der Ostwand schließt sich der Kreis zur alten St. Peter und Paul Kirche, die 1930 Platz machen musste für die heutige Taborkirche. Bei den jüngsten Renovierungsarbeiten wurde im Boden an der Grundmauer des Kirchturms ein halbkreisförmiges Bogenfeld aus Bundsandstein gefunden. Es handelt sich um das Tympanon, das über dem Portal der St. Peter und Paul Kirche angebracht war. Vermutlich wurde es seinerzeit beim Abbruch sicher gestellt, fand dann aber doch keine Verwendung beim Bau der neuen Kirche. Heute soll es an seinem neuen Platz Zeugnis ablegen von der Geschichte der ersten katholischen Kirche in Freudenstadt.

Der Platz zwischen Kirche und Pfarrhaus wurde mit einem Labyrinth in Pflastersteinen gestaltet. Als Abschluss dieser Besichtigung lädt es ein, den Weg mit seinen vielen Wendungen selbst einmal zu durchlaufen.

 

Text entnommen aus dem Kirchenführer der Taborkirche

Herausgegeben von der Katholischen Kirchengemeinde Freudenstadt

Zusammenstellung und Layout: Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit des KGR

Fotos: Archiv der Taborgemeinde und der Stadt Freudenstadt sowie A. Engel

Freudenstadt im Jahr 2006