Einweihung Kreuzweg am 31.3.

Kreuzweg-Gestalterin Michaela A. Fischer legt nochmals Hand an ihr Werk.

„Nur im Miteinander haben wir eine Chance“

Am kommenden Sonntag wird der von Michaela A. Fischer gestaltete Kreuzweg in der katholischen Taborkirche in Freudenstadt eingeweiht. Die Künstlerin äußert sich zum Weg von der Idee bis zur Fertigstellung des Werkes.

Im Interview mit Elmar Haug:

Wie gehen Sie inhaltlich eine Arbeit wie den „Freudenstädter Kreuzweg“ an?

Die Atmosphäre der Taborkirche hat mich nachhaltig in meiner Entwurfsarbeit geprägt. Der unterschiedliche Lichteinfall, die Verortung der Tafeln im Kirchenraum, die vorherrschenden Farben nahmen Einfluss auf den Gestaltungsprozess.

Ich arbeite gerne nachts, wenn es ruhig ist und die Eindrücke des Tages sich verflüchtigen. Dann gelingt es oft leichter, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden.

Die inhaltliche Ausrichtung des Kreuzweges sollte sich nicht streng am historischen Geschehen orientieren, sondern einen Brückenschlag wagen ins hier und heute.

Ich stellte mir die Frage, wie sähe es aus, wenn Jesus heute verurteilt würde? Welches Kreuz müsste Jesus heute tragen? Was muss  passieren, um den heutigen Menschen zu erreichen, um ihn selbst aus der Rolle des bloßen Zuschauers in die Situation des Mit-Leidens zu führen?

Die soziale Situation, oft der Verlust von Bindungen, den Verlust der Integrität in der Familie, am Arbeitsplatz, den Verlust von Würde, oft bedingt auch durch Alter und Krankheit führt zur Einsamkeit des Menschen. Die Mauern zum anderen erscheinen unüberwindlich.

Mauern sind deshalb auch gestalterische Elemente, die sich auf den Tafeln als Hintergrundformation zeigen. Symbolhaft für die Verletzungen, die durch den anderen am anderen entstehen sind die Gips- und Mullbinden.

Wo und wie findet sie heute statt? Heute ist oft unauffällige soziale Einsamkeit mit auch nicht ersichtlichen Verletzungen das Thema und daraus entstanden auch die Motive wie z.B. „graue Mauern“ und das Material wie Gips- und Mullbinden als Symbol

 

Gab es zwischendurch auch Schaffenskrisen?

Ja, ausgelöst von Schicksalsschlägen in meinem Freundeskreis. Ich konnte eine Zeitlang meine gestalterischen Kräfte nicht mehr bündeln.

Während des Arbeitsprozesses der Station „Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen“ öffnete ich mehr unbewusst die sonst üblichen Wandformationen im Bild durch die Integration eines Tores mit der Andeutung eines Lichteinfalls. Ich fühlte mich gleichsam wie geführt und empfinde noch heute das Tor als Symbolträger für die Öffnung und Zuwendung zum „Du“ hin. Nur im Miteinander haben wir eine Chance, den anderen in seiner Not zu erreichen.

 

Muss man einen christlichen Hintergrund haben um einen „Via Crucis“ zu schaffen?

Man braucht Empathie für den leidenden Menschen. Für mich ist die christliche Botschaft immer noch das stärkste Zeugnis von Nächstenliebe.

 

Dachten Sie während Ihrer Arbeit am Kreuzweg auch an die Betrachter?

Nicht so sehr im Schaffensprozess selbst, da arbeite ich eher „für mich“. Aber Kunst braucht immer den Betrachter.  Künstler und Betrachter sind untrennbar miteinander verbunden.

 

Worin drückt sich Ihre ganz spezifische künstlerische Vorgehensweise beim „Via Crucis“ aus?

Ich greife zuweilen zu subtilen Mitteln, um die Bildinhalte zu transportieren. Bei der Station „Jesus wird ans Kreuz genagelt“ spiele ich zum Beispiel mit den Perspektiven und Richtungsachsen. Prinzipiell haben die Bilder einen hohen Symbolcharakter. Beim Bild „Jesus begegnet den weinenden Frauen“ sieht man, dass jede der Frauen einzeln, jede für sich, leidet.

 

Welche der Stationen erscheint Ihnen selbst am besten gelungen?

Formal und von der farblichen Abfolge der Bilder her gesehen ist jedes Bild Teil des Ganzen und deshalb unverzichtbar.

Infoblatt zum Kreuzweg

Ein anderer Kreuzweg - Unser Kreuzweg

Es ist ein Kreuzweg der besonderen Art. Kein Blut, keine Wundmale, kein leidendes Gesicht! Der Weg Jesus zum Kreuz zeigt das Kreuz selbst als zentralen Punkt und den angedeuteten Jesus vor großen grauen Mauern. Das Leiden wird in seiner ergreifenden Intensität nur durch die Körperhaltungen der jeweiligen Figur in ihrer Schlichtheit überdeutlich. Weil sich dieses Leiden uns nur schemenhaft aber dafür umso intensiver erschließt, lässt es uns länger vor den Bildern innehalten.

Die Internet Version für das Infoblatt ist hier verfügbar. Die Druckversion liegt ab Aschermittwoch an der ersten Station aus. 

Der Kreuzweg wird aufgebaut ...

Crowdfunding - der Spendentopf ist offen

So geht's: 

  1. entweder auf die Volksbank FDS an den Schalter gehen und dort Geld einzahlen oder überweisen mit dem Hinweis "für Crowdfunding Kreuzweg Taborkirche" 

  2. online: https://vobahf.viele-schaffen-mehr.de/kreuzweg-taborkirche:   Betrag eintragen und aus [Projekt jetzt unterstützen] klicken 

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