Baden-Württemberg im Kleinen
Die Wurzeln der Vorgeschichte des Landes liegen im Schwarzwald. Nach der Recherche von Josef Weiß bereits seit mehr als 900 Jahren.
Im Sommer 2025 fand in Freudenstadt und Baiersbronn die Gartenschau „Tal X“ statt.
Freudenstadt und der Mutterort Baierbronn sind wegen ihrer besonderen topografischen Lage nur wenig verkehrsdurchlässig, schon gar nicht ohne Weiteres umfahrbar. Dem entsprechend kam auf die Planer der Gartenschau der herausfordernde Sonderumstand hinzu, den Besuchern der Gartenschau auch eine örtlich optimierte Verkehrslogistik bereit zu stellen.
In absehbarer Zeit wird die Hochbrücke im Neckartal bei Horb dazu beitragen, schneller und verlässlicher von Ost nach West und umgekehrt zu kommen – der Schwarzwald kann entspannter erreicht und überquert werden.
Dass die Bemühungen, Verkehrsabläufe im Raum Freudenstadt und Baiersbronn zu verbessern nicht nur ein aktueller Dauerbrenner sind, sondern ein viele Jahrhunderte altes Bestreben der Menschen dieser Region, dürfte eine spannende Erkenntnis sein.
Mehr als tausend Jahre, bevor an den Ausbau des Oberrheins zur wichtigen Transitlandschaft zwischen Nord und Süd zu denken war, bestand hier bereits eine Hauptverkehrsachse frühmittelalterlichen Ursprungs aus vom Pariser Becken über Straßburg und den Schwarzwald nach Salzburg. Sie überquerte den Schwarzwald an seiner schmalsten Stelle, nämlich über den Kniebis und den Ruhestein, somit auf kürzestem Wege.
Josef Weiß ist langjähriges, engagiertes Mitglied der kath. Kirchengemeinde Freudenstadt. Schon immer hat ihn die Geschichte von Land und Menschen rechts und links des Schwarzwaldes interessiert und ganz besonders ihre Mitwirkung am Betrieb des Fernwegs über beide Pässe.
Für ihn lag es in der Luft, dass dieser historische Fernweg einen tiefgreifenden Wandel kultureller, wirtschaftlicher, militärischer und vieler anderer Art mit sich brachte.
Er begann zu recherchieren. Darüber was er an Neuem herausfand, berichtet er nachfolgend in „Baden-Württemberg im Kleinen“.
Dazu sei bereits an dieser Stelle vorweg genommen: schon zur Zeit des mittelalterlichen Städte- und Festungsbaus und der Klostergründungen vor mehr als neunhundert Jahren brachten sich hier Menschen und Institutionen auf ehemals württembergischer wie auch badischer Seite des Hauptkamms des Nordschwarzwaldes ein, Durchreisenden und Transporten den Übergang zu erleichtern. Anstelle des heutigen Glasfaserkabels über den Kniebis versahen damals berittene Nachrichtenboten ihren schnellstmöglichen Dienst.
Beide Pässe waren selbst unter winterlichen Verhältnissen über Jahrhunderte gewartet und geöffnet.
So gesehen liegen die Wurzeln des Bundeslandes Baden-Württemberg nicht erst in den Tagen seiner Gründung, sondern in einer über Jahrhunderte entstandenen Weiterentwicklung von Verkehrswegen, Klöstern und Kultur im Schwarzwald.
Dekan Anton Bock
Pfarrer der SE Freudenstadt-Alpirsbach


