St. Benedikt Alpirsbach

Im Jahre 1858 kann Pfarrer Fidel Becker aus Winzeln aus einer Konkursmasse den oberen Südwestflügel der Klosteranlage erwerben. Das Erdgeschoss wird von der Brauerei Köbel "zum Löwen" gekauft (ab 1880 Glauner). 1868 schenkt Pfarrer Becker seinen Gebäudeteil dem neu gegründeten Kloster Heiligenbronn bei Schramberg zur Einrichtung eines Waisenhauses. Der geistliche Leiter dieser Anstalt soll auch die wenigen Katholiken am Ort betreuen. Die "Anstalt" wird aber nie verwirklicht. Der Bau der Kinzigtalbahn von Hausach nach Freudenstadt erreicht 1882 Alpirsbach. Die italienischen Bauarbeiter und die größer gewordene Anzahl der Katholiken verlangen nach einem eigenen Gotteshaus. An Weihnachten 1883 kann im ehemaligen, leerstehenden Refektorium im Südwestflügel zum ersten Mal wieder die hl. Messe in Alpirsbach gefeiert werden. Regelmäßig finden in diesem Betsaal (Oratorium) Gottesdienste statt. Im Jahre 1891 fand die Errichtung eines Expositurvikariats von Aichhalden statt. Erster Amtsinhaber ist der später bekannte Theologieprofessor Johann Baptist Sägmüller. Die Stadtpfarrverweserei wurde im Jahr 1899 gegründet.

1919 wurde die Stadtpfarrei "St. Benedikt" errichtet. Erster ständiger Seelsorger wird ernannt. Gründliche Sanierung und Renovierung des Betsaals 1934, der durch die Nutzung der darunterliegenden Pferdeställe schon lange baufällig war.

1936 Neuordnung der Besitzverhältnisse zwischen Staat und Kirchengemeinde.

Grundlegender Umbau im Jahre 1957 des Südwestflügels und Weihe des heutigen Kirchenraums. Durch Entgegenkommen des Brauereibesitzers Carl Glauner kann die Balkendecke zwischen den ehemaligen Ställen und dem Betsaal herausgenommen werden, sodass ein würdiger Kirchenraum entsteht.

Das Fresko der Altarwand ist von Prof. Wilhelm Geyer, sen., Ulm (1959). Es zeigt den erhöhten Christus zwischen Krippe und Kreuz. Vom selben Künstler stammen die Entwürfe zu den neun Glasfenstern. Der Zyklus zeigt von links nach rechts Szenen aus dem Leben Mariens. Den Altarblock und den Taufstein aus heimischem Buntsandstein, sowie den Tabernakel aus Bronze gestaltete Prof. Otto-Herbert Hajek aus Stuttgart. Altarmotiv ist das Letzte Abendmahl, der Taufstein versinnbildlicht Wasser und der Tabernakel zeigt Szenen nach der Auferstehung Christi. Der Ambo (1975) zeigt am Pult Moses mit den Gesetzestafeln (Künstlerin aus Koblenz, Name Unbekannt). Die Madonnenstatue ist eine Schnitzarbeit aus dem Bregenzer Wald (Datierung ungewiss). Die vier Tafelbilder auf der linken Seitenwand wurden im Jahr 1991 von Raphael Seitz aus Heilbronn für diese Kirche gemalt. Die in Acryl und Blattgold ausgeführten Motive beziehen sich auf Jesusworte aus dem Johannesevangelium.

Die historische, leicht geschwungene Holzbalkendecke überdacht den einfachen, kubischen Raum. In seiner Schlichtheit findet sowohl der ruhesuchende Beter als auch der interessierte Kunstliebhaber Andacht und Betrachtung. Damit verweist dieses sakrale Kleinod neben dem großen Münster auf den cluniazensischen Reformgeist des ehemaligen Benediktinerklosters in Alpirsbach.