St. Franziskus Dornstetten

St. Franziskus in Dornstetten, eine auf den ersten Blick vielleicht unscheinbare kleine Kirche, gelegen an einem Bahndamm, wurde vor über einem halben Jahrhundert errichtet. Sie legt Zeugnis ab für den Glauben, das Hoffen und Beten der damaligen Menschen. Diese hinterließen den nachfolgenden Generationen ein in seiner Einfachheit beeindruckendes Gebäude, das mit Leben zu erfüllen immer wieder aufs Neue eine Herausforderung für die heutige Gemeinde ist. Trotz, oder gerade wegen Ihrer Schlichtheit und klaren Harmonie ist diese Kirche schon vielen Menschen Heimat geworden. Aber nicht nur für zahlreiche Gläubige ist St. Franziskus ein würdiger Ort zur Begegnung mit Gott, auch dem Kunstinteressierten bietet St. Franziskus so manche Überraschung.

Die Geschichte dieser Kirche geht zurück auf die Initiative einiger Katholiken, die am 16. November 1941 erstmalig seit der Reformation 1534 einen katholischen Gottesdienst in Dornstetten feierten.

"Wir wurden von einem Saal in den anderen geschoben. Als dann 1953 die Kirche gebaut wurde, waren alle froh, dass sie eine Kirche hatten, denn dann haben wir gewusst, wo wir hingehörten. Das war sehr schön." So Ingrid Kuhn, eine Zeitzeugin der damaligen Anfangszeit.

Schon 1952 wurde ein Grundstück "im Höfle" gekauft und im Jahr darauf die Baugenehmigung für die Pläne des Architekten Basten, Tübingen-Lustenau durch das bischöfliche Bauamt erteilt. Keine drei Wochen später ging es dann auch gleich mit dem Bauen los. Otto Feinäugle berichtet hierüber: "Die beiden Triebfedern für den Bau der Kirche waren zum einen die steigende Zahl der Katholiken, zum anderen Herr Mattes, der Bauunternehmer, der sehr hilfreich war, weil er billig liefern und ab und zu auch umsonst arbeiten konnte. Er wollte mit diesem Kirchenbau zugleich seinen drei im Krieg gefallenen Söhnen ein Andenken setzen."

Zwei Monate nach der Grundsteinlegung durch Dekan Kurt Wagner aus Weitingen und dem ersten Gemeindefest der neu entstehenden Gemeinde konnte am 23. Juli im selben Jahr das Richtfest gefeiert und nur zweieinhalb Monate später am 04. Oktober 1953 die Kirche durch Weihbischof Sedlmeier schon geweiht werden. Patron der Kirche ist der heilige Franz von Assisi. Er wurde gewählt, weil die franziskanische Bewegung schon im Mittelalter einen Sitz in Dornstetten hatte: Die graue Sammlung der Franziskanerinnen im Kloster an der Mauer.

Ihren ersten Umbau erfuhr diese Kirche nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils. Der Chorraum wurde geringfügig tiefer gelegt und zusammen mit der Kanzel wurden die Kommunionbänke entfernt. Gleichzeitig wurden ein schlichter Altar und Ambo eingesetzt.

Auf den Tag genau, 45 Jahre nach der Kirche konnte am 04. Oktober 1998 das Gemeindezentrum eingeweiht werden. Des (Um-) Bauens nicht müde, ließ Pfarrer Joachim Guntram den Altarraum dieser kleinen, aber feinen Kirche nach grundlegendem Umbau mit einer Altarweihe durch Weihbischof Johannes Kreidler wieder in Besitz nehmen.

Das Innere der Kirche entspricht in seiner Schlichtheit einer Diasporagemeinde. Franziskanische Einfachheit und zugleich franziskanische Heiterkeit strahlt der Raum aus. Der Altarraum besitzt einen schlichten Altar. Ein Holzkreuz an der Altarwand mit einem mächtigen Gekreuzigten schafft den Mittelpunkt in diesem schlichten Gotteshaus. Was das Kreuz ausdrückt, das geschieht auf dem Altar, wenn die Gemeinde bekennt: "Deinen Tod, o Herr verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit."

Die weiß getünchten Wände tragen kleine Kreuzwegstationen aus Ton.

Hervorzuheben sind die fünf Seitenfenster mit Motiven aus dem Sonnengesang des heiligen Franziskus. Diese Fenster stammen von Wilhelm Geyer, dem großen Künstler in unserer Diözese nach dem zweiten Weltkrieg.

Ein Prachtstück ist die Madonna - oberschwäbische frühe Barockkunst mitten im rauen Schwarzwald. Heute noch ein besonderer Dank an den damaligen Pfarrer Ludwig Jung, der uns dieses kostbare Vermächtnis hinterlassen hat.

Eine Bereicherung ist die am 17. Dezember 2006 (3. Adventssonntag) neu geweihte Orgel. Sie wurde im Jahr 1956 von der Orgelbaufirma Walker aus Ludwigsburg für das Frauenkloster der Schwestern zum kostbaren Blut in Schellenberg im Fürstentum Liechtenstein gebaut. Dort versah sie genau 50 Jahre ihren Dienst, bis sie durch die Anschaffung einer neuen, größeren Orgel für das Kloster zum Verkauf angeboten wurde. Die Orgelbaufirma Hey aus Ostheim (Rhön) hat das Instrument technisch komplett überarbeitet und farblich neu gefasst. Das Orgelgehäuse nimmt dabei die weiße Farbe des Kreuzes im Chorraum, das Stabornament im Prospekt das Rot im Tabernakel auf, so dass hier der innere Bezug der Orgel als liturgisches Instrument auf das liturgische Geschehen im Chorraum auch optisch hergestellt ist.