St. Josef Zwieselberg

Die nicht unbeträchtlichen Waldbesitzungen des "Benediktiner Klösterlein" in Rippoldsau machten es notwendig, dass sich unter Begünstigung der Ordensgeistlichen 1696 einige katholische Holzhauerfamilien aus Tirol ansiedelten. Diese ersten Siedler ahnten nicht, welche Probleme sie der württembergischen Verwaltung noch bereiten würden, weil sie um 1696 ihre Hütten ein paar Meter jenseits der badischen Grenze, auf württembergischem Hoheitsgebiet errichtet hatten. Dieses Gebiet war nämlich in Besitz des Klosters im badischen Rippoldsau. Im Jahre 1761 wurden die beiden Weiler Ober- und Unter-Zwieselberg der Gemeinde Reinerzau und erst 1926 Freudenstadt zugeteilt. Kirchlich und schulisch wurden Sie vom badischen Rippoldsau betreut und geduldet, bis 1859 in Freudenstadt ein katholisches Stadtpfarramt und 1863 eine katholische Konfessionsschule eingerichtet wurden. Für dies katholische Kirche und katholische Schule im Oberamt Freudenstadt gaben die Zwieselberger den Ausschlag.

Die Zwieselberger hatten bis Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch noch ganz andere Schwierigkeiten, nachdem sie endgültig vom Kloster Rippoldsau gelöst waren. Sie standen als einzige württembergische Gemeinde weit und breit unter dem Patronat der württembergischen Klosterpfarrei Heiligenbronn in Salzstetten. Für den Oberamtsbezirk Freudenstadt wurde daher die Wallfahrtskirche in Heiligenbronn Mittelpunktkirche für ein Gebiet, in dem man 1839 nur 275 Katholiken zählte, davon 75 Katholiken in einem geschlossenen Ort, in Zwieselberg. Die Situation blieb jedoch sehr unbefriedigend, zumal diese 75 Katholiken ins badische Rippoldsau zur Schule und zum Gottesdienst mussten. Diese Zwieselberger wehrten sich gegen Klosterreichenbach und Heiligenbronn so stark, dass sie im Jahre 1859 den Ausschlag dafür gaben, die kommende Zentralkirche für den Bereich des Oberamtes Freudenstadt in Freudenstadt zu errichten. Die Zwieselberger stellten damals im Kirchenstiftungsrat in Freudenstadt zwei Räte, die Brüder Benedikt und Josef Schmid. Auch wenn die Zwieselberger ab 1859 nicht mehr den beschwerlichen Weg ins badische Rippoldsau gehen mussten, sondern nach Freudenstadt zum Gottesdienst gehen durften, setzten sie sich für den Bau einer eigenen Kirche ein. Pfarrer Eugen King war es auch, der diesen Wunsch nacheinem eigenen Gotteshaus unterstützte.

Bereits im Winter 1932/33 begannen die Zwieselberger in Eigenarbeit Steine aus dem Wald zu schleppen. Die Steinmetzen begannen 1935/36 mit Ihrer Arbeit. Verwendung dort fanden auch Steine und die Kirchenbänke aus der alten St. Peter- und Paul-Kirche.

1934 stand Weihnachten folgender Bericht in der damaligen Schwarzwaldzeitung: "Eine große Weihnachtsfreude ist den Katholiken vom Zwieselberg zuteil geworden. Von den Eheleuten Albert Armbruster und Helen, geb. Schmid, wurde unter Mitwirkung des greisen Anwalts Otto Schmid ein idealer Bauplatz für eine Kapelle gestiftet. Den Zwieselbergern, die den ältesten Teil unserer Gemeinde darstellen und die 75 Jahre lang stets treu und gewissenhaft den weiten und beschwerlichen Weg zur Kirche nach Freudenstadt gemacht haben, ist es wohl zu gönnen, dass sie nunmehr in ihrer wunderschönen Waldheimat eine heilige Stätte bekommen".

Der Architekt der Taborkirche, A. Linder, fertigte auch für die St. Josefskirche die Pläne. Selbst der damalige Bischof von Rottenburg, Dr. J. B. Sproll, zeigte für diesen Bau ein ungewöhnliches Interesse. Im März 1935 "hat nun der hochwürdige Bischof von Rottenburg bei der mit Waldbesitz gesegneten badischen Nachbargemeinde in Rippoldsau persönlich um Überlassung des hierzu erforderlichen Bauholzes nachgesucht." (04.03.1935, Zeitungsbericht). Fast das gesamte Bauholz wurde zusammengebettelt. Überwiegend aus der katholischen Kirchenstiftung Rippoldsau wurde Bauholz im Wert von 3000 Reichsmark gespendet. Nach mühevollen Jahren der Spendensammlung und Eigenleistung vieler Zwieselberger konnte am Vorabend von Fronleichnam, am 26. Mai 1937 Richtfest gefeiert werden. Patron der Kirche ist der Heilige Josef - der einfache Zimmermann, der Schutzpatron und "Werkmann der Weltkirche". Die kirchliche Weihe war sodann am 21.12.1937 durch Dekan King.

Eine grundlegende Renovation erfuhr die St. Josefskirche im Jahre 1983.

Der Fortbestand des kirchlichen Lebens auf dem Zwieselberg ist ungewiss. Die bis heute geringe, inzwischen konfessionsgemischte Einwohnerzahl von 70 Einwohnern, die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen (Mobilität, zunehmende Kirchenferne u.v.m.) wirken sich in dem kleinen Ort deutlicher als in einer größeren Gemeinde aus. Für die Entwicklung eines Gemeindelebens kommt erschwerend hinzu, dass es außer der Kirche bis heute keinen Gemeindeversammlungsraum gibt. Möge Gott auch diese Zeiten der Veränderungen zum Segen der dort lebenden Menschen begleiten und in vielen Menschen eine Sehnsucht von einst wieder wecken, wie sie im Zimmerspruch anklingt:

"… Nur eines hatten sie noch nicht und klagten, dass es fehle, ein Kirchlein mit dem ewigen Licht als Heimat für die Seele…".