Kreuzweg-online der Taborkirche Freudenstadt Station 10-12

Station 10: Jesus wird seiner Kleider beraubt

„Pilatus zeigte Jesus dem Volk und sagte: Ecce Homo! Seht, da ist der Mensch!“ (Joh 19,5)
Ecce Homo! Seht den Menschen! So hatte Pilatus zuvor schon ausgerufen, als er den mit Dornen Gekrönten vorführte. War es eine letzte Chance, die Aufwiegler noch zum Mitleid zu bewegen? Oder war es auch von seiner Seite blanker Hass und Spott? Und nun also die endgültige Entkleidung. Beraubung von aller Menschenwürde. Zurschaustellung. Aber die Rechnung geht nicht auf. Der Nackte am Kreuz wird für alle Zeit zum Symbol und Garanten christlicher Heilszuversicht. Ecce, sehet! Schaut hin!

Station 11: Jesus wird an das Kreuz genagelt

„Und sie kreuzigten ihn.“ (Mk 15,24)
Und sie kreuzigten ihn. Kürzer und emotionsloser kann man es nicht sagen, als der Evangelist Markus es tut. Das inszenierte schmachvolle Töten wird zu Ende gebracht. Der Zuschauende soll denken, empfinden, sagen, was er will und kann. Auch wir heute. Und was kann die Musik sagen wollen? Hammerschläge sind zu hören. Aber auch eine vertraute wiederkehrende Folge von vier Tönen. Sagen sie noch „Ecce Homo“ oder vielleicht schon „O mein Heiland“?

Station 12: Jesus stirbt am Kreuz

„Und Jesus rief mit lauter Stimme: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“ (Lk 23,46)
„In deine Hände befehle ich meinen Geist“ haben schon viele Beter vor Jesus rezitiert. Aber bei Jesus ist das Psalmwort zum unmittelbarsten Dialog mit dem Vater geworden. Lukas hält es für das letzte Wort des Sterbenden, während Matthäus und Markus nur von einem lauten Schrei berichten. Aber ob bei Jesus nicht auch ein bloßer Schrei „Mein Vater“ bedeutet hat? Johannes dagegen ist sich sicher, dass Jesus von Auftrag und Erfüllung weiß. Bei ihm heißt das letzte Wort Jesu: „Es ist vollbracht!“