Kreuzweg-online der Taborkirche Freudenstadt Station 4-6

 

 

Station 4: Jesus begegnet seiner betrübten Mutter

Schon gleich nach Jesu Geburt sagt Simeon zu Maria: „Dieser wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“ (Lk 2,34+35)
Maria hat es also gewusst: Man wird ihm widersprechen. Und nicht nur das. Man wird ihn töten. Auf seinem schweren Gang zur Hinrichtung hat Maria sich einer Begegnung mit ihm gestellt. Und wenn schon die nachbiblische Überlieferung das so wissen will: Warum berichtet sie uns nicht, was Jesus seiner Mutter gesagt hat? Mariens inniges Einssein mit dem göttlichen Sohn reicht tiefer und weiter, als fromme Legendenbildner späterer Jahrhunderte es sich je ausdenken könnten.

Station 5: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

In der Passionsgeschichte heißt es: „Sie ergriffen einen gewissen Simon von Cyrene, der vom Felde kam, und luden ihm das Kreuz auf damit er es Jesus nachtrage.“ (Lk 23,26)
Offensichtlich geht es den Vollstreckern zu langsam. Da kommt zufällig jemand vorbei. Pack an! Ob der Zwangsverpflichtete jemals begriffen hat, zu welcher Ehre ihm die ahnungslosen Henkersknechte verholfen haben? Ein Mann, dem durch brutale Rücksichtslosigkeit der wohlverdiente Feierabend verdorben wurde, wird Mitspieler in einem Drama, das die Welt verändert.
 

Station 6: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Jesus verteidigt eine Sünderin vor einem Pharisäer und sagt: „Du hast mir kein Wasser für die Füße gegeben. Du hast mir keinen Kuss gegeben. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt… Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat.“ (Lk 7,44-47)
Wo gelitten wird, wird auch Liebe mächtig. Was da eine mitleidige Frau dem Gemarterten hingereicht hat, sei gar kein besonderes Tuch gewesen, meint eine frühe Überlieferung, sondern ihr eigener Schleier, den sie trug. Wie bei Maria Magdalena, der nicht einmal ihr eigenes Haar zu schade war. Was in dem Schleier als „Vera Ikon“, als wahres Bildnis Jesu zurück geblieben ist, macht die barmherzig liebende Frau selbst zur „Veronika“, zum wahren Bildnis Jesu.