Adventliche Orgelmusik der Romantik aus der Taborkirche

Traditionell hätten wir normalerweise am 3. Adventssonntag, dem Sonntag „Gaudete“ („Freuet euch“), ein Adventskonzert in der Taborkirche. Das ist in diesem Jahr leider nicht möglich, stattdessen haben Sie die Möglichkeit, adventliche Orgelmusik aus der Taborkirche anzuhören, eingespielt von KMD Karl Echle an der Rieger-Orgel.

Zu hören sind Orgelwerke der Romantik, welche bekannte Adventslieder bearbeiten.

Über „Macht hoch die Tür“ (GL 218) erklingen zwei kurze Choralbearbeitungen von Arnold Mendelssohn (1855-1933) und Emil Weidenhagen (1862-1922). Arnold Mendelssohn ist ein Großvetter von Felix Mendelssohn Bartholdy, sehr viele Jahre wirke er als „Kirchenmusikmeister“ in Darmstadt, als Lehrer am Konservatorium in Frankfurt und als Erneuerer der evangelischen Kirchenmusik. Von Emil Weidenhagen ist nur bekannt, dass er 1862 in Magdeburg geboren ist und auch dort 1922 verstarb.

Zu „Komm, du Heiland aller Welt“ (GL 227), eines der ältesten Adventslieder (Melodie: Einsiedeln 12. Jh. / Martin Luther 1524) gibt es zahlreiche Orgelbearbeitungen.

Das „Moderato“ von Johann Georg Herzog (1822-1909) ist der erste Satz aus der Adventssonate op. 62 Nr. 1 unter der Verwendung des Chorals „Nun komm, der Heiden Heiland“ („Saviour oft he nations, come“), außerdem wir der 9. Psalmton zitiert, der in Verbindung mit dem „Magnificat“, dem Lobgesang Mariens gebracht wird. Johann Georg Herzog (1822–1909) war ein deutscher Organist und Musiklehrer. Ab 1843 wirkte Johann Georg Herzog als Organist und ab 1848 als Kantor an der Matthäus-Kirche in München. Im Jahre 1850 wurde er als Orgellehrer am Konservatorium München gewählt. Hier war auch Joseph Rheinberger sein Schüler, mit dem ihm lebenslang eine Freundschaft verband. In Süddeutschland zählte er zu den berühmtesten Orgelvirtuosen seiner Zeit.

Von Max Gulbins (1862-1932) erklingt „Weihnachten“ op. 55. In einleitenden ersten Teil wird „Stille Nacht“ eingebettet in eine ruhige und sanfte Achtelbewegung, der zweite Teil ist ein Fugato über „Nun komm, der Heiden Heiland“, welches mit der Anfangszeile des Chorals im vollen Werk endet. Max Gulbins wurde 1862 in Kummetschen (Ostpreußen) geboren, er starb 1932 in Breslau. Gulbins studierte an der Berliner Musikhochschule (ab 1882) bei Heinrich von Herzogenberg und Friedrich Kiel. Es folgten Stellungen als Musikdirektor in Stallupönen (1888) und Insterburg (1896), dann als Kantor in Elbing (1900) und schließlich die Ernennung zum Kantor und Oberorganist an St. Elisabethin Breslau (1908). 1917 wurde er dort zum Professor ernannt.

Max Regers (1873-1916) Choralvorspiele op. 67 haben als Vorbild Johann Sebastian Bachs „Orgelbüchlein“. Beide Sammlungen enthalten kurze Choralbearbeitungen bekannter Choräle, die den jeweiligen Charakter und Inhalt des Chorals in ihrer musikalischen Sprache zu Ausdruck bringen. „Nun komm, der Heiden Heiland“ op. 67 bringt in meditativer Stimmung die Sehnsucht nach dem Kommen des Heilands zum Ausdruck. In „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ op. 67 beherrscht die freudige Erwartung und der Lobpreis („Gloria sei dir gesungen“) das musikalische Geschehen. Die Melodie wird einmal ganz durchgeführt und wechselt zwischen Bass (Pedal) und Oberstimme. Max Reger steht mit seinem Werk an der Schnittstelle zwischen Spätromantik und Moderne. Seine Kompositionen vereinen traditionelle musikalische Formen mit einer bis an die Grenzen der Tonalitäterweiterten Harmonik und weisen vielfältige stilistische Einflüsse auf. Sein Werk umfasst mit Ausnahme von Bühnenwerken alle musikalischen Gattungen, doch sein eigentlicher Schwerpunkt lag bei der Orgel- und Kammermusik.

Karl Echle